SZ-Interview mit Peter

Von SimoneundGerd, m (50)
31.01.2010, 11:56

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SZ: Die Heimatvertriebenen und erst recht diejenigen, die wie Sie aus dem Einflussbereich der Sowjetunion geflohen sind, neigen ja sonst nicht gerade zur SPD oder gar zur Kritik an der Nachrüstung der Nato. Maffay: Der Krieg war kein Konflikt, sondern tägliche Bedrohung für die Menschen im Osten, und gerade für jemanden wie mich, der von da drüben, aus Rumänien, kam. Die Leute dort - nicht bloß in Rumänien und Ungarn, sondern auch in der damaligen DDR - haben die Auswirkungen des Krieges viel länger zu spüren bekommen, während wir hier an die Spitze der Weltwirtschaft katapultiert wurden. Dazu kam die politische Repression. Ich habe sie die ersten zehn, zwölf Jahre meines Lebens erlebt, und ich habe es nicht vergessen. SZ: In Waldkraiburg, wo Sie nach der Ausreise aufgewachsen sind, wird es nicht viele Anhänger der Aussöhnungspolitik gegeben haben. Maffay: Waldkraiburg ist eine Stadt mit sehr hohem Migrantenanteil, oder war es jedenfalls.

 Das waren seinerzeit die Aussiedler aus dem Osten. Dort wäre eine politische Neigung wie die Ihre doch gar nicht möglich gewesen. Das hätte niemand verstanden. Maffay: Einige von denen schon. Es war natürlich schwierig. Der Revanchismus, wie geht man damit um? SZ: Willy Brandt wurde wegen seiner Ostpolitik als Verzichtspolitiker beschimpft. Für die Heimatvertriebenen war es die verlorene Heimat. Maffay: Für sie ging es um diesen Verlust. Viele wollten gar nicht weg, auch nicht aus dem Securitate-Staat Rumänien, aber sie mussten doch. Viele haben dort lieber auf alles verzichtet, um überhaupt rauszukommen. SZ: Herta Müller, heißt es, kostete 5000 Mark, die die Bundesrepublik zahlen musste. Wie viel war das bei Ihnen? Maffay: 17 000 Dollar. Meine Eltern hatten nicht so viel. Das hat meine Oma in New Jersey aufgebracht. SZ: Ceausescu hat mit diesem Geld seinen Palast gebaut. Maffay: Bei mir noch nicht, das war später, aber er hat es wahrscheinlich gut gebrauchen können. SZ: Vor dem Nobelpreis für Herta Müller hat offenbar keiner gewusst, wie schlimm es in Rumänien zuging. Maffay: Ich fand das so toll, dass sie den Preis bekommen hat. Das war so ein Augenblick, in dem diese Landschaft, der Banat und Siebenbürgen, wahrscheinlich zum ersten Mal richtig wahrgenommen wurde. Diese Leute sind doch eingekastelt worden, das hat niemand mehr zur Kenntnis genommen. SZ: Da wir schon bei der Politik sind: Hat Ihnen Oskar Lafontaine eigentlich irgendwann einen Aufnahmeantrag für die Linke geschickt? Maffay: Nein. SZ: Nein? Maffay: Er würde so etwas auch nie tun. SZ: Aber Sie sind doch befreundet? Maffay: Wir gehen uns bestimmt nicht aus dem Weg. Wir sehen uns zwar nicht so häufig, aber ich habe ihn vor einiger Zeit besucht, und das war für mich sehr spannend. Ich vergesse nicht, dass ich ihm die Konzerte verdanke, die ich 1986 in der DDR spielen konnte. Lafontaine wird einiges vorgehalten, aber ich bin einfach nicht bereit, das nachzuvollziehen. SZ: Sie können ihn verstehen? Maffay: Er betreibt Politik mit Leidenschaft, und ich kaufe ihm ab, dass er seine Politik ernst meint. Lafontaine ist ein sehr leidenschaftlicher Denker. SZ: Deshalb ist er vielen so verhasst. Maffay: Er ist oft heruntergemacht und ganz falsch dargestellt worden. Ich kann ihm das abkaufen, was er vertritt, und ich glaube, dass er tut, was er tut, um den Menschen zu dienen. SZ: Sie sind ein Idealist. Maffay: Das weiß ich nicht, aber mir ist Lafontaines Haltung weit lieber als die vieler andrer. Vor allem, weil er sie hat: diese Haltung. Als bekannt wurde, dass er Krebs hat, habe ich ihm einen Brief geschrieben, und er hat auch geantwortet.
Lesen Sie mehr über Peter Maffay, seine Frauen und die Bühne in der SZ am Wochenende (30./31.01.2010).
  Peter Maffay, 60, im siebenbürgischen Brasov geboren, kam 1963 aus Rumänien in die Bundesrepublik. Dort gehörte er zunächst zur Schlagergeneration von Chris Roberts und Roy Black, konnte sich aber bald vom Bild des elegischen Schnulzen-jünglings befreien. In den achtziger Jahren sang er "Eiszeit", das Lied der Friedensbewegung. 1986 unternahm er eine große Tournee durch die DDR. Er hat sich politisch und noch mehr für humanitäre Projekte engagiert. Für Kinder entwickelte er die Geschichte vom Drachen Tabaluga, er ist als Schauspieler aufgetreten und spielte zuletzt für die Isaf-Truppen in Afghanistan. Für die neue CD "Tattoos" hat er seine größten Erfolge mit großem Orchester neu eingespielt. Im November geht er zusammen mit seiner Band und dem "Volkswagen Philharmonic Orchestra" auf Deutschland-Tournee. Peter Maffay ist verheiratet und hat einen Sohn.  

Quelle: www.sueddeutsche.de



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Kommentare

von ErikaP2309 am 02.02.2010 um 13:19 Uhr

Schöner Bericht, danke fürs reinsetzen.
LG Erika

Peter Maffay
Peter Maffay und seine Band melden sich 2008 mit einem neuen Album zurück: „Ewig“. Es ist nach den beiden Konzeptalben „Tabaluga“ und „Begegnungen“ und drei Jahre nach „Laut und Leise“ wieder eine typische Maffay Solo-CD, entstanden aus  ganz persönlichen Zitaten,  gleichsam textlich wie musikalisch.