Mehr bei mir als je zuvor
TUTZING/MZ. Wenn er lacht, sieht er jünger aus. Ist er konzentriert, stehen ihm die 60 Lebensjahre deutlich im Gesicht. Rockmusik ist ein Geschäft, das Spuren hinterlässt. Vor vier Jahrzehnten hat seine Karriere begonnen, im "Schützenhaus" in Mühldorf am Inn spielte er sein allererstes Konzert. Achtzig Zuhörer waren da, Freunde inklusive. Jetzt blickt Peter Maffay zurück - mit eigenen Klassikern, eingespielt von seiner Band und dem Wroclaw Score Orchestra. Am Mittwoch, zwei Tage vor dem Verkaufsstart des Albums "Tattoos", präsentierten Maffay und Genossen das Werk im Berliner Tempodrom.
Im November werden sie gemeinsam auf Deutschlandtour gehen mit dem neu arrangierten Material, der Vorverkauf läuft, die Nachfrage ist gut - alles andere wäre auch ein Wunder. Maffay ist ein Star ohne Allüren, dem die Fans die Treue halten. Er hat nach frühen Erfolgen Prügel und Spott bekommen als "Schlager-Peter" und weitergearbeitet für seinen Erfolg, er ist fair zu seinem Publikum wie zu seinem Team. Maffay ist nicht nur ein Songschreiber und Sänger, er führt ein Unternehmen, dem er sich zur Fürsorge verpflichtet fühlt. Morgens um acht sitzt er in Tutzing am Starnberger See am Schreibtisch und kümmert sich: Um seine Stiftung, die benachteiligten Kindern hilft. Um das jüngste Projekt in Rumänien, woher er selber als 13-Jähriger mit seiner Familie nach Deutschland gekommen ist. Und um die nächsten künstlerischen Pläne natürlich, die Produktion. Alles Maffay, alles selbst gemacht - mit Hilfe seiner Freunde und Kollegen, versteht sich.
Maffay will die Dinge in der Hand behalten, auch auf Mallorca, wo sein zweiter Lebensmittelpunkt ist. Dort finden traumatisierte Kinder aus Deutschland zeitweilige Aufnahme, ein richtiger Landwirtschaftsbetrieb gehört dazu und fordert die Aufmerksamkeit des Chefs. Ob ihm die Fülle der Aufgaben nicht zu viel wird? Nein, sagt Maffay, er findet den Wechsel im Gegenteil anregend und möchte keinesfalls darauf verzichten: "Abends hast du ein Konzert vor 10 000 Leuten gespielt, morgens gehst du an den Schreibtisch oder arbeitest im Stall".
Maffay sitzt entspannt in einem der Studios, die in Tutzing ein kleines Areal besetzen, und gibt geduldig Auskunft. Er ist ein aufmerksamer Gastgeber, Maffay hetzt seine Gesprächspartner nicht und hört gern auch zu. "Das ist eine schöne Formulierung", sagt er einmal, als es um sein altes Material auf der neuen Platte geht: "Ja, ich habe meinen Frieden gemacht damit". Stücke wie das unvergessliche "Und es war Sommer" und "Du" sind dabei, der Schmachtfetzen, mit dem der junge Maffay zur Marke wurde.
Natürlich gehören diese Songs auf die Jubiläums-CD, sie klingen mal schneller und knackiger als gewohnt, mal leiser und inniger. Ein Funken Ironie ist immer dabei, aber eben nicht nur. "Du" ist ein Lied, "bei dem wir sowieso lächeln", sagt Maffay. Aber ohne das Stück wäre die CD nicht denkbar gewesen, auch für die Band nicht. Sogar die Sprechstelle, seinerzeit von seinem Entdecker Michael Kunze besetzt, hat er diesmal selber abgeliefert. Und sich beim Singen zum Erreichen der hohen, strahlenden Töne "auf die Zehenspitzen" stellen müssen.
Maffay kann inzwischen auch über sich selber lächeln, "heute bin ich mehr bei mir als je zuvor". Das gehört zum Besonderen dieser Karriere: Er schiebt nicht beiseite, was doch zu ihm gehört und findet es wohltuend, auf die Bühne zu gehen und zu sagen: "Na und?". Der Zuneigung seiner Fans darf er sich gewiss sein, auch wenn er sie ständig neu erobern muss. Das Geschäft ist hart geworden, Maffay beneidet die jungen Kollegen nicht, die erst am Anfang stehen. Oft werden sie nach einer Platten-Chance gleich wieder ausgemustert von der Industrie, wenn sich die Investition nicht refinanziert hat. Auf die Tour mit seiner Band und dem Volkswagen-Orchester Wolfsburg freut sich Maffay sehr, die Leute werden die Lieder erkennen und mitgehen, hofft er: "Das ist ein Spaß." Zudem hat er ein "Faible für klassische Musik" und früher selbst Geige gespielt - "wenn auch schauderhaft".
Damals, als es für ihn mit seiner Schülerband im "Schützenhaus" in Mühldorf am Inn zum ersten Mal um alles ging, hat er noch nicht an eine Karriere gedacht. Damals reichte der Plan exakt bis zum nächsten Auftritt am folgenden Wochenende. Woran er sich besonders erinnert? Wie wütend er auf den Sänger war, Fritz hieß der, war sein Freund und hat es später zum erfolgreichen Geschäftsmann gebracht. "Der", sagt Maffay, "hat nie einen Verstärker getragen, sondern in der Ecke gestanden, geraucht und mit Mädchen geredet".
Vielleicht war es auch das, was Maffay zum Erfolg antrieb. Er hat es geschafft. Aber dass er einen Verstärker schleppt, ist ihm heute noch zuzutrauen.
Peter Maffay live mit Band und dem Volkswagen Orchester Wolfsburg: 8. November Arena Leipzig, 22. November Bördelandhalle Magdeburg
Quelle: http://www.mz-web.de/servlet/ContentServer?pagename=ksta/page&atype=ksArtikel&aid=1260693555985
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Kommentare
Ich meinte natürlich eine richtige Rampensau! Freu mich aufs nächste Konzert von ihm, diesmal in Köln im Dezember.
Vielen Dank.
Peter ist trotz seiner 60 Jahre eine richtige Rampenaus und sehr viele könnten sich ein paar dicken Scheiben von ihm abschneiden.
Einfach ein toller Mann!
Danke für den super Bericht.
Was soll man zu Peter sagen,so ist er......
LG Anja
Danke für den tollen Bericht. so ist er unser Peter.
LG Erika











